Historische Tiefstände des Bodensees im Sommer 2026

Seit dem April 2026 fehlende Niederschläge und Schmelzwasser aus den Bergen sowie überdurchschnittliche Temperaturen führen zu ausgetrocknete Böden und sinkende Pegel des Bodensees. Nach einem absoluten Tiefstand im Juli zeichnet sich auch im Monat August ein historischer Tiefstwert ab — mit  Folgen für die Natur, Fauna, Flora und Menschen.

Im Vorarlberger Rheindelta ist der historisch tiefe August-Wasserstand des Bodensees vor allem in Flachwasserbereichen wie in der Fussacher Bucht, am Rohrspitzgrund und in der Lagune der Rheinmündung sichtbar, eine Situation, die „normalerweise“ im Winterhalbjahr oder im Herbst zu erwarten wäre. Doch parallel zum Klimawandel verändert sich auch das Zuflussregime von Bächen und Flüssen in den Bodensee, allen voran der Alpenrhein mit über 60 % des in den Bodensee fliessenden Wassers. Fehlende Niederschläge und Schmelzwasser aus dem Gebirge führen trotz 200 Rheinzuflüssen zum dramatischen Absinken des Bodensees. Am 16. August 2026 liegt der Bodensee-Pegel Konstanz bei 272 cm, mehr als 1,5m unter dem langjährigen Mittel. Und mit dem weiterhin fehlenden Niederschlag dürfte der Bodensee noch weiter an Wasser „verlieren“.

Bodensee-Wasserstand 2026 Messstelle Konstanz. Werte in Zentimeter. Die blaue Linie zeigt den Pegelverlauf 2026. Grafik Stephan Trösch
Für brütende und mausernde Wasservögel ist der tiefe Sommerwasserstand dramatisch. Haubentaucher müssen in der Not ihre Schwimmnester im offenen Flachwasser anlagen, wie hier in der Lagune an der Rheinmündung. Foto vom 15.08.2026, Stephan Trösch
Kolbenenten und viele andere Entenarten, die am Bodensee nicht nur brüten, sondern auch ihre Mauserzeit verbringen, sind auf schützende Schilfufer angewiesen. Der tiefe Wasserstand verhindert dies weitgehend. Foto: Kolbenenten, Lagune, 15.08.2026, Stephan Trösch)
Ein Dunkler Wasserläufer sucht Nahrung im mit Seegras durchsetzten Flachwasser in der Lagune an der Rheinmündung. Foto: 15.08.2026, Stephan Trösch

Während es für brüten wollende und mausernde Wasservögel eine extrem schwierige Situation bedeutet, profitieren umgekehrt rastende Watvögel vom tiefen Wasserstand. Für einmal finden sie bereits zu Beginn des herbstlichen Vogelzugs ideale Rastbedingungen vor, zu einem Zeitpunkt, wo „normalerweise“ noch kaum freier Schlick oder Seeufer zu erwarten wäre. Die aktuellen Beobachtungen verdeutlichen dies, beispielsweise mit sehr hohen Zahlen beim Bruchwasserläufer oder bei der Bekassine.

Share your thoughts